„Hello everybody! You are listening to the first episode…“

Januar 2020, auf zur zweiten Runde des Nice-View-Reporter-Projekts, das wir vor fast genau einem Jahr mit ebenso großer Begeisterung wie großem Erfolg gestartet haben. 2019 haben wir Fotoreportagen und Interviews gemacht. Dieses Mal war von Anfang an relativ klar, dass wir uns mit verschiedenen Medienformaten beschäftigen würden. Einige von uns wollten unbedingt Videos drehen – weil FLMH damit in den letzten Jahren auch zunehmend arbeitet, und weil immerhin auch mit einfachen Mitteln wie Smartphones inzwischen ganz passable Clips gemacht werden können. Aber da gibt es ja auch noch Audio, also Podcasts. Und in Nice View gibt es eine Menge Stimmen, die wir gerne hören wollten.

Es ist unklar, wer aus dem Podcast-Team am Ende der Medienkompetenz-Projektwoche an der Nice View Gratitude Academy in Msambweni, Kwale, Kenia, am meisten gelernt hat: Die Schüler*innen oder das Projektleitungsteam aus Juliane, Benny und Melanie. Klar ist nur: Es war ein voller Erfolg, wie sich mit dem entstandenen „Produkt“, der rund fünfminütigen ersten Episode des Nice-View-Reporter-Podcasts, leicht unter Beweis stellen lässt.

nice-view-reporter.org/nice-view-reporter-podcast

Auch wenn wir von FLMH eigentlich noch nie wirklich einen echten Podcast produziert haben und das jetzt unsere Herausforderung als Leitungsteam ist: Seit Jahren wächst die Podcast-Industrie, das Mehr-als-Radio-zum-Mitnehmen gibt es zu jedem erdenklichen Thema, in jeder erdenklichen Sprache – und es ist supereinfach, selbst einen Podcast zu erstellen. Man braucht ein bisschen Technik, und schon kann man mitmischen in der Welt des Erzählens und Hörens.

Wir erklären kurz die Technik und worauf es bei den Audio-Interviews ankommt.

Darum geht es uns ja vor allem: Wir wollen den Schülerinnen die Erfahrung vermitteln, dass sie Medien nicht nur konsumieren können, sondern dass Medien für sie auch eine Chance und Möglichkeit sein können, sich von ihrem kleinen, unterrepräsentierten Winkel der Welt aus einzumischen, ihre Perspektiven einer interessierten Öffentlichkeit mitzuteilen. Also haben wir ein Podcast-Team gebildet und uns mit unseren Schüler*innen der großen Aufgabe gestellt, was sie denn eigentlich zu erzählen haben.

Die Schülerinnen probieren gleich aus – sehr gekonnt –, wie sie mit dem Aufnahmegerät umgehen können.

Wie gut, dass sich Ende 2018 im benachbarten Diani das Marine Education Centre gegründet hat mit der Aufgabe, über die Lage der bedrohten Meere und die zunehmende Verschmutzung der maritimen Lebensräume zu informieren. Da sind wir hingefahren mit den Schülerinnen, die alleine vom Ausflug schon sehr begeistert waren. (Auch die Tatsache, dass uns am zweiten Tag das Matatu verlassen und einfach nicht mehr abgeholt hat, konnte die Schülerinnen nicht wirklich schockieren. Wir sind dann halt anders zurück nach Msambweni gereist. Ein bisschen Beweglichkeit hat noch niemandem geschadet.)

Das größte Problem, vor das wir uns in der Arbeit mit den Schülerinnen gestellt sahen, waren zum einen die geringe Erfahrung im Umgang mit der Computertechnik. Auch zum Schneiden von Audiodateien muss man gut mit Mäusen oder Trackpads umgehen können, da hapert es dann doch noch ein bisschen, weil die Schülerinnen zu wenig Zugang zu den Geräten haben. Aber auch das kenianische Schulsystem mit seiner veralteten Methode des Frontalunterrichts führt leider dazu, dass die Schülerinnen zwar unglaublich aufmerksam alles in sich aufsaugen und auch anschließend wiedergeben können – wie viele Schildkrötenarten es gibt und welche vor der kenianischen Küste dümpeln, von wie vielen maritimen Habitaten die Biologin Fatuma erzählt hat und was deren Besonderheiten sind. Aber im Ausschöpfen ihres kreativen Potentials zum Geschichtenerzählen sind die Schülerinnen ungeübt. Für uns ist das ein guter Anlass, an unseren Vermittlungsmethoden zu arbeiten und ihnen eine Vorstellung mit auf den weiteren Weg zu geben, wie man Schritt für Schritt eine Story entwickeln und anschließend auch umsetzen kann.

Juliane hatte sich im Vorfeld intensiv mit Audioschnitt beschäftigt und kann den Schüler*innen zeigen, wie einfach ein Podcast mit freier Software geschnitten werden kann.

Unser absolutes Highlight haben wir dann am letzten gemeinsamen Produktionstag: Der Podcast braucht einen Gastgeber oder eine Gastgeberin – und eigentlich haben wir uns darauf eingestellt, dass wir mit Engelszungen auf die Schüler*innen einreden müssen, um jemanden von der Herrlichkeit dieser Aufgabe zu überzeugen. Aber nein: Wir haben einen Freiwilligen. Tsari – zu finden auch auf der Teamseite – meldet sich freiwillig. Und macht einen so großartigen Job daraus, dass bei der Vorführung der Podcast-Folge am letzten Tag dem ein oder anderen Mitschüler buchstäblich die Kinnlade herunterfällt.

Tsari beim Einsprechen der Texte

Es ist also tatsächlich einfach, einen Podcast zu erstellen. Begeistert von diesem Erfolg wünschen wir uns zurück im kalten Berlin, dass die Nice View Reporter mit der Anleitung, die wir noch schreiben, ganz viele Folgen produzieren und uns teilhaben lassen an ihrem Leben in Msambweni, Kwale, Kenia.