Auf der Werft in Spanien

Unterwegs mit Mission Lifeline
Eleonore Luftbild

Seit letztem Jahr unterstützen wir  Seenotretter von Mission Lifeline bei ihrer Arbeit. Ihr altes Schiff, die LIFELINE, wird noch im Hafen von Valetta festgehalten. Um weiter Missionen im Mittelmeer fahren zu können, hat der Dresdner Verein jetzt ein neues Schiff.

Wir reisen zur schlimmsten Ferienzeit nach Spanien, um die Crew zu interviewen und Aufnahmen vom Schiff zu machen. Die Eleonore liegt in der Nähe von Barcelona in einer Werft und wird dort für den Einsatz vorbereitet. 

Wir kommen am Abend an, und Richard, der Maschinist, und Johannes, der Informatiker, empfangen uns mit kaltem Bier an Bord . Es ist heiß, verdammt heiß. Vor allem unter Deck, und wir entscheiden uns, auf dem Vorschiff unter freiem Himmel zu übernachten. Eine gute Entscheidung – zumindest bis am nächsten Morgen der Werftbetrieb losgeht. Gibt es eigentlich irgendeine Regel, die besagt, dass bei Arbeitsbeginn als erstes die Flex angeschaltet werden muss?

Auf der Eleonore fängt der Tag etwas später an. Richard ist dabei, die Proviant-Räume mit Regalen auszustatten, ingesamt müssen dort ausreichend Mahlzeiten gebunkert werden, um im Notfall mehr als 100 Menschen für längere Zeit versorgen zu können. Das braucht viel Platz. Richard zeigt uns den Maschinenraum, wo ein 300-PS-Diesel seinen Dienst tut.

Auch der Generator, der das ganze Schiff mit Strom versorgt, steht hier. Nach zwei Minuten läuft uns der Schweiß in Bächen herunter, es ist heiß – obwohl die Maschine gar nicht läuft. 

Das neue Schiff ist 20 Meter lang, 5,5 m Meter breit. Insgesamt also etwas kleiner als die LIFELINE. Es verfügt über neueste Navigationstechnik, und natürlich gibt es auch Internet an Bord. Johannes hat das alles in den letzten Tagen schon installiert und getestet.

Die größte Baustelle ist das Krankenhaus. Leon und zwei Freiwillige arbeiten die Nächte durch, um eine Station einzurichten, die mindestens dem Standard eines Rettungswagens in Deutschland entspricht. Von der Babylampe bis zum Beatmungsgerät ist alles an Bord. Die Herausforderung liegt darin, das Material und die medizinischen Geräte seefest auf engsten Raum unterzubringen.  Leon war auch schon auf früheren Missionen dabei. Er erzählte, dass es vor der Krankenstation immer großen Andrang gab. Viele Gerettete hätten noch nie im Leben einen Arzt konsultiert, und so hätten sie auch zum Teil die klassischen Aufgaben eines Hausarztes übernehmen müssen.


Und es gab die dramatischen Fälle, wie die die junge Frau, bei der noch vor der Rettung im Schlauchboot die Wehen eingesetzt hatten und die ihr Kind dann auf der LIFELINE zur Welt gebracht hat. Man merkt Leon heute noch an, wie ihn die Erinnerung daran bewegt: „In was für einer verzweifelten Situationen müssen die Menschen sein, dass sie die Flucht über das Mittelmeer wagen.“

Das sind die Eindrücke, die uns noch präsent sind, als wir am nächsten Tag für den Rückflug einchecken – umgeben von rotgebrannten Pauschalurlaubssandalenträgern, für die in der letzten Wochen die fehlende Salami auf dem Frühstücksbüffet das größte vorstellbare Unglück war …