„India has to become rich before it becomes old.“

Konferenz zur Zukunft der beruflichen Bildung in Indien

Das deutsche duale Ausbildungssystem ist ein echter Exportschlager. Auch in Indien ist die Nachfrage danach groß. Ob das Modell so einfach übertragbar ist und wie die berufliche Bildung in Indien sonst noch erneuert werden kann, darüber diskutierten in Delhi Anfang Dezember Expert*innen aus Bildung, Wirtschaft und Politik auf der Konferenz “Skilling India in the Digital Age”. Wir haben das Ganze im Auftrag der GIZ begleitet.

Der demografische Wandel setzt die Politik unter Druck

Indien steht vor enormen Herausforderungen. Eine davon ist der demografische Wandel. Noch ist die Gesellschaft insgesamt sehr jung, aber die Geburtenrate sinkt, während die Menschen immer älter werden. Ähnlich wie in Deutschland werden in Zukunft die jüngeren Generationen sehr viele Ältere finanzieren müssen – und das bei einer Bevölkerung von 1,2 Milliarden Menschen. Wie eine Vertreterin des Ministeriums für Skill Development and Entrepreneurship es treffend auf den Punkt brachte: „India has to become rich before it becomes old.“

Die Wirtschaft im Land wächst und die Nachfrage nach Fachkräften ist groß. Doch kaum jemand in Indien hat eine vernünftige Berufsausbildung. Und damit eine Chance auf einen gut bezahlten Job oder einen Spartopf fürs Alter. Auch deswegen das große Interesse daran, neue Wege in der beruflichen Ausbildung zu gehen.

Die Ausbildung kann von der Digitalisierung profitieren

Neben dem dualen Ausbildungssystem war Digitalisierung das zweite große Thema der Konferenz. Eigentlich liegt es total nahe, dass digitales oder mobiles Lernen in Indien gepusht wird: Die Bevölkerung ist jung und technikaffin. Mobiles Internet ist billig. Die Netzabdeckung besser als in Brandenburg (das ist zugegeben auch nicht so schwer). Ausbildung übers Netz bedeutet außerdem, dass Schülerinnen und Schülerinnen an jedem Ort lernen können. Ein große Chance gerade für die ländlichen Regionen, wo der Weg zu einer Ausbildungsstätte oft zu weit ist.

Und trotzdem ist das Thema auch hier konfliktgeladen. Man ist sich nicht einig, wer die Kosten für den Aufbau der Online-Angebote tragen soll und wer sich um die Inhalte und Lehrpläne kümmert – ist das Aufgabe des Staates oder der Wirtschaft? Und wie überhaupt mithalten mit einer Technik, die sich so rasant verändert? Niemand möchte viel Mühe in die Entwicklung von Kursen stecken, die kurz darauf wieder veraltet sind.